...oder wie man einen Luftballon beinahe zum Bersten aufblasen kann.
--> Klick mich bloß nicht!!!
Heavy Metal - für viele ist das nicht nachvollziehbarer Krach und Lärm, betrunkene Satansanbeter, Instrumentenvergewaltiger, Hitparade der Schreihälse und Wildsäue, rechtes Gesindel, Friedhofsschänder und Grabräuber, Filzläuse, Junkies und Alkoholiker, gewaltbereite Jugendliche, Proletenmusik, homoerotischer Männerverein,...
Klar, es gibt immer wieder Subjekte, auf die die angebrachten Vorurteile zutreffen. Pauschal jeden Anhänger damit zu belegen, ist jedoch falsch. Nun, es geht hier nicht um die Richtigstellung solcher ignoranter Aussagen, oder gar die Missionierung einer multikulturellen Gesellschaft. Fakt ist, dass Heavy Metal stets mit einem gewissen Maß an Nonkonformismus geprägt war. Eine eigene (Jugend-) Subkultur, die Wert auf Eigenständigkeit legte, in der man sich vom Normalbürger abhob. Sei es durch das äußere Erscheinungsbild oder eben durch die Musik, welche die Verbindung unter den Anhängern dieser Subkultur darstellt.
Jeder hat(te) seine Gruppierung, was im Prinzip egal war, welcher Sparte man angehörte. Man hielt einfach zusammen. Fertig.
In den letzten Jahren, besonders seit Anbeginn des neuen Jahrtausends und dem damals aufkommenden Trend des Metalcores vollzog sich ein Wandel, der das Zusammengehörigkeitsgefühl auch aus Profilierungswahn unterminierte.
Nicht der Metalcore ist das Problem, sondern die Menschen, die in der Szene integriert waren und die, die integriert wurden.
Alteingesessene standen einer Horde junger Menschen gegenüber, die wenig gemeinsam hatten. Durch den erhöhten kommerziellen Eingriff der Musikindustrie wurde Metal (wieder) modern. Das kapitalistische Potential wurde erkannt, der Zugang zum Metal vereinfacht. So kam es, wie es kommen musste und man spaltete sich untereinander von einander ab. Von außen war es dennoch eine Einheit, die existierte. Von außen kam der Einfluss auf die Szene, was bei genauer Betrachtung ganz natürlich ist, wenn man von den eigenartigen Verquerungen alteingesessener Musiker/Produzenten mit den neuen Kommerzstilen absieht, die versuchten, sich ein Stück vom Kuchen zu sichern.
"Jeder für sich und wer nicht meine Musik hört, ist sowieso ein nichtsnutziger Matschkopf und Lutscher."
Man fing an, aus einer (Jugend-) Subkultur eine eigenständige Kultur mit eigenem Ritus zu erschaffen, auf dass man das Zusammegehörigkeitsgefühl (wieder-) erlangen könne. Das Musikbusiness tut das übrige und bläst dieses schwache Konstrukt mit heißer Luft weiter auf. Bands kommen und gehen, Musiker spielen hier und da, wechseln die Lager, die Bands, das Genre...
Nun ja, eine gewisse Zusammengehörigkeit kommt dabei auch auf. Nur wenn das Produkt und die Szene mittlerweile ein (kurzlebiges) Mode- und Wegwerfprodukt geworden ist, wie in den 80ern unzählige Glam- und Sleaze Bands, dann sollte es niemanden mehr verwundern, dass diese "Kultur" vor die Hunde geht. Da hilft auch kein alljährlicher Kongress, welcher mit den unterschiedlichsten Problematiken zur Diskussion aufwarten kann.
Muss man sich gleich bekriegen, wenn jemand einen anderen Geschmack oder gar eine andere Ansicht vertritt? Wenn jemand anstelle einer wallenden Matte einen modischen Kurzhaarschnitt trägt? Muss aus solchen Gründen ein Kongress ins Leben gerufen werden? Muss dieser Kongress der allgemeinen Öffentlichkeit die Erbärmlichkeit der Szene offenbaren und sich selbst der Lächerlichkeit preisgeben? Muss man die Gleichberechtigung der Frau medial großangelegt diskutieren? Gibt es denn nichts Wichtigeres, als sich über solche mitunter Belanglosigkeiten den Kopf zu zerbrechen?
Es ist ja allgemein bekannt, dass der gemeine "Metalhead" (im Volksmund "Metaller") ein notgeiler Mann jüngeren bis mittleren Alters ist und, das wissen die Feministinnen am besten, beim Anblick einer Frau nur an das Thema Nr. 1 denkt. Da wird jedes noch so unweibliche Frauenzimmer zum Sexobjekt. Wabernde Milchkühe mit Goldkelchenstimme (welcher Gentechniker hat das verbrochen?), testosterongeladene Amazonen mit Guturallauten, Frauen, die arme Instrumente vergewaltigen - ja, sexuelle Erregung auf anderem Niveau. Dass das die Damen auf diesem Kongress zu stören scheint, wird ja bei diesem Kaffeekränzchen lang und breit über mehrere Tage ausdiskutiert.
Nichts gegen die Damen und Herren dieser Veranstaltung - sicherlich sollte eine moderne Gesellschaft auch über Kommunikation funktionieren, aber wie weit ist das noch mit dem eigentlichen Geiste des Heavy Metal konform? Weshalb machen sich so viele Menschen ausgerechnet über solche nicht relevanten Belange Gedanken? Geht es denn nur noch um soziale Integrität denn um Musik? Könnte man die dort vergeudete Energie und Kreativität nicht eher für sinnvollere Dinge aufbringen? Wie wäre es mal wieder mit ehrlicher Musik? Oder geht es nur noch um Geld und Prestige? Klar, das Rad kann man nicht neu erfinden, aber die soziale Integrität der einzelnen Individuen, die in ein paar Jahren dem Metal den Rücken gekehrt haben, besser einzubinden, ist auch nicht gerade eine sinnvolle Alternative. Das schwache, aufgeblasene Konstrukt von einem Netzwerk aus"Modemenschen", die ihr Fähnlein nach dem Wind richten, wird dadurch auch nicht gerettet werden können. Vielleicht sollte man sich bei all den Diskussionen bezüglich der Metal-Kultur auch Gedanken um den folgenden Kollaps machen, der kommen wird.
"Es muss die Welt erst vor die Hunde gehen, damit sie wieder besser werden kann."
Deswegen folgt an abschließender Stelle ein erheiternder Test, der mit der Sache nichts zu tun hat, bei dem ich allerdings meinem Egotrip und Profilierungswahn frönen kann:
Speedtest
83 Wörter
12.10.09
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