Nun, es war an einem Montag Vormittag, Ende September, die spätsommerliche Sonne schien und es gab keinerlei Anzeichen ungewöhnlicher Aktivitäten. Der General machte sich schon rechtzeitig auf den Weg, seine holde Dame zu empfangen, um mit ihr ein Musikgeschäft der näheren Umgebung zu inspizieren, mit dem Ziel zwei außergewöhnlichere Gitarren zu testen - diese Mission hatte den Decknamen "Basskauf", in der der Name auch Programm war (als Primärziel der Blogschreiberin sozusagen).
Der Weg war lang und beschwerlich ("Hä? Ich dachte, das sei näher an der Haltestelle...wir haben uns verlaufen - wo sind wir eigentlich? Und wie zum Teufel kommen wir an unser Ziel?). Nach einem kleinen Umweg wurde die angestrebte Lokalität gefunden und es ging ohne Umschweife direkt in die Bassabteilung. Vertohlene Blicke immer wieder in Richtung Gitarrenabteilung - ganz heimlich versteht sich. Nachdem kein pinker Bass aber dafür ein sehr passabler Vertreter dieser Art von Instrument gefunden wurde - Näheres siehe vorheriger Blog - konnte sich der General seinem Primärziel widmen. Die Gitarrenabteilung wurde anvisiert und man begab sich ohne Umschweife auf direktem Wege dorthin. Ein kleiner Gang durch die Exponate und man fand, wonach man suchte - drei Gitarren der Marke Caparison. Zwei Dellinger Modelle und eine Horus.
Folgende Modelle wurden besonders inspiziert:
Die Caparison Horus und Dellinger SE
Das erste Instrument war die Horus in "Black Night" (Schwarze Nachtgewandung) - besondere Merkmale dieser Gitarre: 27 Bünde (gängig sind 24) sowie eine sehr kurze Mensur (Gibson Mensur mit 24,75" im Gegensatz zu der Standardmensur mit 25,5"). Anfänglich war es für den General eine erhöhte Schwierigkeit, diese kurze Mensur zu spielen. Zu groß die Finger, zu klein das Griffbrett. Allerdings, und das war ganz erstaunlich gewöhnten sich die Finger recht schnell an die kurze Mensur. Stretchings sind um ein Vielfaches einfacher (also möglichst weite Griffe - gerade bei Soli recht interessant) und es läuft recht flüssig. Der Hals ist sehr flott bespielbar, es gibt kaum Reibung am Holz (Rückseite). Einziger Makel: die Bünde über dem 24. sind selbst mit "Nicht-Wurstfingern" kaum bis gar nicht zu bespielen (Vorteil für alle, die kleine Finger haben). Viel zu eng, viel zu klein - gar schwäbisches Platzangebot.
Was allerdings wieder sehr vorteilhaft war, waren die Pickups. Diese liefern einen durchsetzungsfähigen, sauberen, klaren und differenzierten Klang, selbst im High Gain Mode (also mit VIEL Verzerrung). Alles kein Problem - clean gespielt (ohne Zerre) klingen sie recht warm und dynamisch, verzerrt können sie sogar noch etwas mehr dieser Tugenden zum Vorschein bringen. Alles in allem ein homogenes Klangbild mit sehr viel eigenem Charakter. Klar, dass der eigenständige Sound dem General gefiel - immerhin ist dieses Instrument für so ziemlich jeden Bereich einzusetzen. Seien es die weichspülenden Schlagerklänge, nervendes Countrygedudel, treibende Rockriffs, verrauchte/verdrogte Blues/Stoner/Doom Riffs, beißendes Metalgeriffe, Black Metal Geschrubbe, Prog Metal Gefiedel oder gar Death Metal Gefrickel - der General war in jeder Situation mit dieser Wunderwaffe Herr der Lage. Überlegenheit durch neue Kriegsmittel.
Einzig die ungewöhnliche Anwahl des tonalen Arsenals war anfänglich - wie das Griffbrett - gewöhnungsbedürftig. Ein Push-Poti zur Anwahl und zur Lautstärkenregulieren. Die totale Kontrolle über den Ton war zwar nicht gegeben, aber wer regelt schon großartig mit der Höhenblende?
So überraschend positiv die Horus gewesen ist, so überraschend negativ empfand der General den Hals die Dellinger SE (die hatte die allseits beliebte "Oiled Mahagony" bzw. alternativ "Möbelhausoptik").
Ein viel zu schmales Griffbrett - trotz der Standardmensur von 25,5" und den 24 Bünden - das sehr stark an den Hals der Ibanez RG erinnert. Die Saiten liegen sehr dicht aneinander - kein Vergleich zu der JEM Serie von Ibanez oder den ESP M Modellen, bei denen man auch "Luft zum Atmen" hat. Ferner ist der Hals an der Rückseite wenig geschmeidig und man hat stets das Gefühl, dass man im Auf-Abwärts/Abwärts-Auf Lauf unterbrochen bzw. immer wieder aufgehalten wird. Nicht flüssig das Gleiten an der Rückseite. Womöglich lässt sich das Problem mit Politur/Öl/Wachs beheben - wenn nicht: jeder, der eher auf der Stelle spielt hat damit kein Problem. Wenn man allerdings in die unterschiedlichsten Bünde in einer recht kurzen Zeit will, ist der Hals nicht geeignet.
Vom Sound her, dadurch dass es sich wie bei der Horus um die hauseigenen Tonabnehmer handelt, ist eine frappierende Ähnlichkeit nicht von der Hand zu weisen. Eventuell ein wenig "stratiger" vom Klang, ebenso eigenständig - ansonsten sehr gleich.
Näheres zur Hardware kann man getrost und guten Gewissens dem Datenblatt entnehmen, die verwendeten Komponenten sind sauber und exakt verbaut worden. Qualität wird bei dieser Marke noch groß geschrieben, was sich nicht zuletzt im Preis manifestiert - 1999€ für die Horus und 2099€ für die Dellinger SE. Wobei in Anbetracht der persönlichen Erfahrung eindeutig das Arsenal mit einer Horus erweitert werden sollte - insofern Geld vorhanden wäre bzw. keine Rolle spielt.
Nachdem die Stunden so dahinflogen, der General in eine andere Dimension/Welt eintauchte, seine Umwelt vergaß, war es irgendwann soweit: das Ende der Truppenübung der "Gehörgangsangriff-Mission", um mit Bass und General im Schlepptau den Gang in heimische Gefilde anzutreten. Geschafft war ein ereignisreicher und entbehrlicher Tag, der die Frage aufwarf, was wohl schwieriger ist - entweder die Horus im Laden zurück zu lassen, ohne auch nur eine Bank ausgeraubt zu haben, oder den Bass unbeschadet in der U-Bahn zu transportieren...
Der General entschied sich nach gründlichem Überlegen dafür, dass die erste Möglichkeit viel schwieriger sei, die Horus zurückzulassen und stempelte sie mit dem Prädikat *HABEN WILL* ab.
Zu guter Letzt sollte die Geduld und die verständnisvolle Art der Begleiterin gewürdigt werden, welche den General tatkräftig bei dieser Mission unterstützte und mit keinen negativen Nachwirkungen oder übler Nachrede á la "Schatz, du beachtest mich nicht!" oder gar "Du liebst mich nicht mehr! Und das alles nur wegen dieser blöden Gitarre!" aufwartete.
P.S.: Ich liebe dich auch!







