Gestern war ich endlich shoppen. Für euch ein exklusiver völlig überzogener und extrem subjektiver Tatsachenbericht aus der Sicht einer (angehenden) weiblichen Basserin - das muss aus der Sicht eines männlichen Gitarristen so ziemlich das unfähigste sein, was so mit Musikern rumhängt.
T.:"Guten Tag, ich bin, äh, auf der Suche nach einem Bass, äh, des wird mein erster...öh, bitte nix Fenderartiges und auf alle Fälle vier Saiten!"
Verkäufer: "Ja, da hätten wir den Ibanez SRX 430...
via ibanez.co.jp
...den Cort EVL Z2B...
via: cort.ch
...den B.C. Rich Warbeast Trace...
via: bcrich.com
...den Yamaha RBX 170...
via: yamaha.com
..."
Ich hab mich dann mehr oder weniger munter durchgetestet, eher weniger, weil ich so gar keinen Plan hatte, WIE ich die denn nun anteste. Das ganze hatte tatsächlich was von "Ich hab zwar keinen Führerschein, aber ich kauf mir halt mal nen Auto", aber mein Co-Autor hat mir trotzdem/grad deswegen unter die Arme gegriffen. (Großes Lob für Geduld, Zu- und Abraten)
Zu den Bässen:
Der Ibanez gefiel mir ansich ganz gut, aber war ja auch der erste und nach der ersten Testrunde gleichauf mit dem Cort. Beide haben mir vom Klang her durchaus zugesagt und haben einen recht zierlichen Korpus. Dann kamen noch der B.C. Rich und der Yamaha dazu: Bei ersterem rächt sich die trve Optik durch die Kopflastigkeit. Geht also gar nicht, das hat würde mich auch stören wenn ich auch betrunken bin... Ansich WOLLTE ich ja nur den deutlichen Unterschied zwischen Top und Flop spüren...) Zweiterer hat einen wesentlich ausladenderen Korpus als die ersten beiden und fiel damit auch nach 10 Sekunden wieder aus der Wahl. Also noch eine Runde die beiden ersten Bässe. Fast wärs dann der Cort geworden, damit hätte ich mein Budget um ca. 10 € überzogen. Bis auf die unglaublich posigen Pentagrammeinlagen im Hals und den Preis hat er mir echt gefallen. Also hab ich sicherheitshalber nochmal gefragt, obs noch was ähnliches gibt, weil ich dachte, der Cort kann ja nicht der Weisheit letzter Schluss sein.
DANN kam der Verkäufer mit meinem Schätzchen, dem Warwick Streamer Blackhawk 4 an:
-Passend zu meinem Budget,
-Passive Elektronik, die ich wenn ich lustig bin,auf aktiv nachrüsten kann,
-Bessere Tonabnehmer & hochwertige Hardware, die sosnt auch in den "großen" Warwicks verbaut werden,
-Zierlich gebaut (passend zu mir :p)
(Fettfingerchen und Staub rocken! Punktum!)
Er erschien mir zugegebenermaßen erstmal etwas unscheinbar und Mr. Gitarrist hat auch ein wenig schräg geschaut, aber nach kurzer Einstellerei wurde er mir richtig sympatisch. Dann verzog sich der General auch schon in Richtung Gitarren und ich konnte mich gleich mal mit dem Blackhawk anfreunden... (Immer noch problembehaftet, siehe Autokaufproblematik.) Ich hab sicherheitshalber nach einem weiteren Alternativbass gefragt, aber dem Verkäufer fiel nichts mehr außer dem GSR 180 von Ibanez ein. Hier zur allgemeinen Gaudi mal in Magenta, weils so tussilike aussieht:
via: ibanez.co.jp
Nach einer Weile (wenns ne halbe Stunde war, dann war ich ja echt gut!) und einer SMS an das elterliche Finanzministerium mit Antwort (Ja, ich geb dir was dazu.) hab ich mich auf die Suche nach dem General gemacht. Gefunden hab ich ihn in einem Kämmerchen voller Half- und Fullstacks, wo er auf ner sündhaft teuren Klampfe rumgedudelt hat und auch wie angedroht NICHT ANSPRECHBAR war... Ich bin eine gefühlte 3/4 Stunde um ihn rumgeschlichen, hab die absolut astronomischen Preise der Stacks inspiziert und muss wohl extrem verbiestert geguckt und ihn mehrfach angezickt haben, was er aber überhaupft nicht mitbekommen hat. Wenn ich versucht hab, ihm ne Frage im Bezug auf den Blackhawk zu stellen ("Sag, soll ich den mitnehmen!?, Was hältst du davon?!") kam nur irgendnen schwer verständlicher Halbsatz und ein irrer Blick.
Kann man als Basser von einem Gitarrero, der grad völlig verzückt am Saitenzerren ist und schon glasige Augen und einen dämonischen Blick hat, eine prompte, vollständige Antwort erwarten?
NEIN!
(hätt ich mir denken können.)
Ich hab ihm dann versucht, anzudrohen, alleine essen zu gehen - Klar, dass das nicht gewirkt hat, weil er mich a) nicht verstanden hat und b) eh keinen Hunger hat.
Auf alle Fälle fühlte ich mich eine Weile wie ein armer unterdrückter Mann, der seine Frau beim Shoppen begleiten muss und einen neuen Anzug kaufen muss. Anprobieren ist die Hölle, die Frau hilft beim aussuchen, zwingt zum Anprobieren und verschwindet dann für Stunden in der Damenabteilung, um sich den Xten Rock, das Xte Shirt und die Xten und X^1ten Schuhe zu kaufen oder zumindest anzuprobieren. Sind Bassisten tatsächlich oder glücklicherweise simpler gestrickt als Gitarristen? Und warum lacht alle Welt über Bassistenwitze und schaut betreten, wenn jemand Gitarristenwitze vom Stapel lässt?
Irgendwie hab ichs dann doch geschafft, ihn loszukriegen - eventuell mit abschätzigen Bemerkungen über seine Xiphos, deren Brüderchen auch in dem Kabuff hing? Designer und Käufer müssen wohl auf Speed oder schlimmerem sein...
Nach dem Essen haben wir dann dem Bass abgeholt, auf alle Fälle weiß ich jetzt, wie sich ein Bassisst fühlt, der mit einem Musiker in ein Musikgeschäft geht.
ps.So schlimm wars nu auch nicht, der Bericht ist überzogen. Außerdem klingt die Xiphos nur gut. Außerdem ist mein Co-Autor nicht nur der arme Co-Autor, sondern auch mein (sämtliche Adjektive, die "WOW!!! *sabber* " umschreiben, einsetzen!) Freund, der sich zudem auch noch bereit erklärt hat, mir zu zeigen, wie ich denn nun die richtigen Töne zur richtigen Zeit ausm Viersaiter lock. Falls du das hier noch liest und nicht schon vor Wut zitternd meine Nummer wählst oder vor Lachen am Boden liegst: Ich liebe dich!


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